By Published On: 24. Januar 2026

The Red Dress: Faszinierende Stickkunst

von Karin Schuler

Beim Stöbern in einer online Zeitschrift stieß ich kürzlich auf einen Beitrag über die britische Künstlerin Kirstie Macleod und ihr Rotes Kleid.

Ich war derart fasziniert von dem Artikel, dass ich mir noch am selben Tag die Webseite anschaute und das zugehörige Buch bestellte. Siehe Info am Ende des Berichts.

Kirstie begann dieses Projekt 2009. Das Kleid besteht aus 87 Paneelen weinroter Dupionseide, die während einer Dauer von 14 Jahren von insgesamt 380 Personen (m/w/d) aus 51 Ländern mit für ihre Region typischen Stickereien verschönert wurde. Zum Teil wurden auch Stickerei-Gruppen, insbesondere in Dritte-Welt-Ländern, gegen Bezahlung engagiert und sind am zukünftigen Gewinn (Buchverkauf, Ausstellungen etc.) beteiligt. Zudem wurde das Kleid von weiteren 239 freiwilligen Teilnehmern/Besuchern während Ausstellung-Events bestickt (siehe Bild unten). Geschätzte Anzahl der Stiche: atemberaubende 1 bis 1,5 Milliarden!!!

Kirsties Intention hinter dem Kleid war es, Menschen weltweit zusammenzubringen, ohne Grenzen oder Schranken und durch ihre Stickereien ihre eigenen Geschichten zu erzählen und miteinander zu verbinden.

Sie war in verschiedenen entlegenen Län-dern aufgewachsen, wo mangelnde Gleich-berechtigung und andauernde Unter-drückung von Frauen an der Tagesordnung waren. Sie war sich bewusst, dass sie als privilegierte weiße Frau, wenn sie mit schutzbedürftigen Gemeinschaften arbeiten wollte, von manchen Seiten vorgehalten bekäme, sie würde Kolonialismus und kulturelle Aneignung betreiben.

„Nach einer Zeit tiefer Reflexion und der Überlegung, ob ich weitermachen sollte oder nicht, entschied ich mich, die mir gebotenen Gelegenheiten und Privilegien besser zu nutzen, um Menschen in schwierigen Lebenslagen zu unterstützen und eine Plattform zu schaffen, auf der sie ihre Geschichten teilen und gehört werden konnten.“ So nahm sich Kirstie selbst zurück, es war nicht mehr ihr Werk, sondern der Fokus liegt auf den Stimmen der vielen beteiligten StickerInnen. Sie sagt, das Kleid steht für sich selbst, groß und stark und wurde zum Symbol für soziale Gerechtigkeit und Stärkung der Frauen-rechte. Sie erzählt in dem Buch auch, wie spannend und berührend jedes Mal der Erhalt und das Öffnen der Pakete mit den Stickereien war oder wie sie persönlich in abgelegene Länder reiste, um die Stickereien abzuholen und mit den Beteiligten zu sprechen, auch ohne gegenseitig die Sprache zu verstehen.

„Das Rote Kleid ist zu einer Ikone der Internationalen Textilwelt geworden“
(Suzanne Smith, Textile Society 2022)

Das seit 2023 fertiggestellte RED DRESS wird seitdem von Kirstie auf seiner Wanderschaft in diverse Museen und Ausstellungen weltweit begleitet. Wer weiß, vielleicht kann es auch einmal in unserer Nähe bewundert werden?

Besucht bitte die Webseite (nur Englisch): https://reddressembroidery.com

Es gibt dort zum Beispiel:

  • Porträts aller StickerInnen
  • Auflistung der Exhibitions
  • Videos
  • 3D-Modell des Kleides
  • Und viele Hintergrundinfos

Alle Fotos und Zitate stammen aus der Webseite oder dem Buch: „The Red Dress, Conversations in Stitch“ (über Amazon bestellbar, 32 EUR)

Bilder unten:
Lekazia Turner, Stickerin aus Jamaica, 2022
Stickerei aus Mexico, Zenaida Aguilar & Hilaria Lopez Patishta, 2018
Embroidery Circle (Stickerei-Gruppe) in Aguacatenango, Mexico, 2020

Bilder unten:
Die Initiatorin des Red Dress, Kirstie Macleod
Eine Gruppe von ukrainischen Flüchtlingsfrauen bestickt das rote Kleid während einer Ausstellung in Warschau, 2022
Besucherinnen der Ausstellung ZigZag in Glastonbury, 2020, bewundern das Rote Kleid
Adele Boriak, 4 Jahre alt, aus der Ukraine durfte einen Entwurf beisteuern: die „Sternenfamilie“ symbolisiert die 12 Sterne der EU-Flagge
Stickerei aus dem Kongo, 2018
Stickerei aus Kenia, 2018

Beitragsbild (ganz oben):
Stickerei der Gruppe Sister Stitch, Kosovo, 2018.
Die Vögel stehen für Migration und Flucht vor dem Krieg in den 1990er Jahren.

Das eingestickte Gedicht lautet:

Better one winter in your own country than 100 springs away.
The greatest wealth is to live content with little.
Be nice everyone – we live in peace now.
Love all, trust some and hate none.
A winter is a winter.
Peace has come – love yourself first

Lieber einen Winter im eigenen Land als hundert Frühlinge in der Ferne.
Der größte Reichtum ist, mit wenig zufrieden zu leben.
Seid freundlich zueinander – wir leben jetzt in Frieden.
Liebe alle, vertraue einigen und hasse niemanden.
Ein Winter ist ein Winter.
Der Frieden ist gekommen – liebe zuerst dich selbst.
(Übersetzt mit KI)